Feminist is not a dirty word

Feminist is not a dirty word

Das Unwort 2015 wird wahrscheinlich “Feminismus”. In dem Interview mit Laurie Penny von This is Jane Wayne habe ich gelesen, dass es beim Feminismus nicht nur um Frauen geht, sondern um das Umdenken der Gesellschaft. Kurz gesagt: Die Gesellschaft soll sich von den geschlechtsspezifischen Denken befreien. Nur irgendwie fühlen sich manche Männer etwas “ans Bein gepinkelt”, wenn eine Frau selbstbewusst auftritt und vorallem ihre Entscheidungen und Meinungen vertritt. Beim Feminismus geht es nicht darum, den Männern die Macht abzunehmen, sondern uns Frauen die gleiche Macht zu zuteilen. Feminismus ist nicht gleich zu stellen mit einer “Anti-Mann”-Haltung. Sollte man Feminismus immer noch mit Alice Schwarzer oder wild wachsendem Achselhaaren in Verbindung bringen, dann sind diese Leute wohl in der Zeit stecken geblieben.

Ich selber habe bewusst in der Realschule das Fach “Mensch und Umwelt (bzw. Hauswirtschaft)” abgewählt und mich für “Technik” entschieden. Ich hatte keine Lust an der Nähmaschine zu sitzen und Täschchen zu nähen, somit habe ich mich bewusst gegen dieses “Frauenklischee” entschieden. Und auch meine Eltern meinten “Wenn du das machen willst, dann mach das. Deine Lehrer machen sich nur Sorgen, ob es für dich ein Problem ist, wenn du das einzige Mädchen in der Klasse bist.” War es nicht. Ich war gut in dem Fach – sägen, schleifen, feilen; mit Kunststoff und Metall umgehen, Widerstände in Stromkreise löten. Meine Einstellung war damals schon “Erklär’ mir wie’s geht und ich probier’s.” Im ersten Jahr waren wir drei Mädels in der Technik-Gruppe und man tuschelte “Was wollen die Mädels hier? Warum sind die im Technikraum?”. Wie Jungs in der 7. Klasse eben so sind, hörten viele nicht zu was der Lehrer da so erzählte und kamen dann bei uns Mädels an “Hä? Wie müssen wir das nochmal machen? Und wo liegt das Material?” Somit waren sie vermutlich doch ganz froh, dass sie uns hatten. Ein Jahr später war ich dann aufgrund von Klassentrennungen, die einzige Frau in der Technikgruppe und die Jungs die ich nicht kannte, haben wie in dem Jahr davor getuschelt und sich gewundert, was die Frau da will. Ein paar Stunden später, wunderte es niemanden mehr. In der Abschlussklasse hatte ich dann sogar eine Technik-Lehrerin und war trotzdem nicht schlechter in dem Fach, wie es manche Klassenkameraden vermuteten. Auch wenn ich nicht mehr von dem “Tittenbonus” profitieren konnte, den mir manche in den Klassen zuvor noch andichten wollten.

Die Lehrerin trug auffälligen Nagellack, war deutlich geschminkt, trug bunte Kleider und war somit alles andere als ein “Mannsweib”, trotzdem wusste sie sich durchzusetzen. Es sollte mehr solcher Frauen an Schulen geben.

An diesem Beispiel merkt man doch, wie verkorkst die Gesellschaft manchmal ist. Zuerst blöde Kommentare abgeben, weil eine Frau im Technikraum sitzt und wenn sie dann noch gut ist in dem was sie da tut, dann schiebt man es direkt auf ihren “Tittenbonus.” Und ich muss ehrlich sagen, in der 7. Klasse war davon noch nicht viel zu sehen?!

Jetzt bin ich Mediengestalterin, also kein Beruf der großartig geschlechtsspezifisch ist. Jedoch ist mein Part eher technischer Natur, als gestalterischer. Und auch hier wurde ich gefragt, ob es ein Problem für mich wäre, mich im technischen Bereich zu sehen – war es natürlich nicht.

Ich bin auch keine Frau die darauf besteht, dass man mir die Türe aufhält. Manchmal pflaume ich den Männern dann auch ein “Ich kann das auch selber.” entgegen. Auch auf Blumensträuße, die man(n) mir schenken will, steh ich nicht so. Anstatt rosa mag ich rot. Sneaker zieh jeglichem Paar HighHeels vor. Leggings oder Jeans einem Rock. Ich bezahle meine Rechnungen am liebsten selber und will mich nicht einladen lassen. Ich trinke lieber Bier als Sekt. Ich könnte endlos so weiter machen.

Dieses “nicht einladen lassen” sorgte schon oft für Diskussionen bei Dates oder auch innerhalb einer Beziehung. Männern gefällt es oft, wenn sie eine Frau einladen und den Gentelman raushängen lassen, auch das Helfen in die Jacke, etc. Vielleicht benehme ich mich da auch wie ein Elefant im Porzellanladen, aber für mich muss das kein Mann machen. Es ist mir unangenehm und ich fühl mich in die bedürftige Rolle gedrängt – ob bewusst oder unbewusst sei mal dahin gestellt.

Natürlich mach ich mich auch mal gerne zurecht, lackier’ mir die Nägel und genieß auch mal einen Frauenabend. Ich hau auch mal einen zweideutigen Spruch raus, und fühl mich von “frauenfeindlichen” Raptexten nicht persönlich angegriffen, genauso wenig wie ich davon die ganzen Frauen angegriffen sehe.

Und solange man Männer nur in den oberen Etagen oder vor der Werkbank sieht, und Frauen nur vor dem Herd, dem Kind an der Hand oder dem Putzeimer braucht man Feministinnen. Wenn eine Frau selbstbestimmt entscheidet “Ich will zuhause bleiben und als Hausfrau leben.”, dann spricht nichts für mich dagegen. Sollte Sie das aber machen, weil es ihr Freund, Mann, oder die Gesellschaft so möchte, dann ist es nicht selbstbestimmt und meilenweit von dem entfernt was ich als heutige Gesellschaft ansehen möchte.

Ich möchte für mich persönlich selbstbewusst, selbständig und ohne typischen Rollenbilder leben. Eine Arbeitskollegin die gerne Blümchenmuster trägt, kann doch trotzdem knallhart und gut in ihrem Job sein. Genauso wie die Freundin die im Businessdress auftaucht. Ich wehre mich auch oft genug gegen diese typisch Frau- / typisch Mann-Klischees. Ob wir nun alle das gleiche verdienen oder nicht, es wird Zeit diese Klischees aus den Köpfen zu verbannen. Nicht nur von Feministinnen, sondern von allen. Also verbannt das Wort “Feministin” aus eurem Schimpfwortschatz, denn es gehört da nicht hin.

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